Abschied nach 40 Jahren Krankenhaus

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Mit Weitblick und Herz

Gemeinsam mit rund einhundert geladenen Gästen hat die Klinikleitung der KMT Hamm Geschäftsführer Karl Ehrmann in den Ruhestand verabschiedet. Beiratsvorsitzender Dr. Gerd Pickl-Gilberg und Chefarzt Dr. Jens Adermann würdigten die Arbeit und Verdienste des angehenden Ruheständlers, der die KMT sehr erfolgreich durch bewegte Zeiten führte, etwa angesichts der Coronakrise oder auch des großen Neubauprojektes. Damit endete für den 67-jährigen Hagener nicht nur ein siebenjähriges Kapitel in der Schmerzklinik im westfälischen Hamm, sondern auch eine jahrzehntelange Laufbahn in leitender Verantwortung deutscher Krankenhäuser - unter anderem als Geschäftsführer im EVK Hagen Haspe. Hier hat er 2006 aktiv die Herauslösung aus dem Verbund Diakonie in Südwestfalen und den Wechsel des Hauses zu Ev. Stiftung Volmarstein begleitet. Im Interview blickte der 67-jährige Hagener kurz vor seinem letzten Arbeitstag zurück – auf große Herausforderungen, wichtige Entscheidungen und viele Begegnungen, die ihm besonders in Erinnerung bleiben.

Wenn Sie so kurz vor dem Abschied durch die Klinik gehen – woran denken Sie als Erstes?
Karl Ehrmann: „Tatsächlich ist das nicht der eine Moment, es sind viele Begegnungen mit Menschen, die mir da einfallen – sowohl Kolleginnen und Kollegen als auch Patientinnen und Patienten. Und dann kommt der Gedanke: Hier wohl alles richtig gemacht?! – es war eine wirklich großartige Zeit, besser hätte als in Hamm hätte es zum Abschluss meiner beruflichen Laufbahn nicht sein können. Und diese Zeit hat Ende der 80er Jahre im Hasper Krankenhaus begonnen. Weitere Stationen waren Dortmund, Duisburg, Köln, Koblenz und zum Abschluss Hamm - Deutschlands größte Schmerzfachklinik.“

Gruppenfoto Abschied Karl Ehrmann
Das Gruppenbild zeigt (von links): Prof. Dr. jur. Rolf Kniffka, Uwe Brockmann (Beirat), Irene Herauf (Gesamt-Pflegedienstleitung), Beate Ehrmann, Karl Ehrmann, Dr. Gerd Pickl-Gilberg (Beiratsvorsitzender), Andre Alfert (Kaufmännischer Leiter), Hubert Zensen (Beirat), Dr. Jens Adermann (Chefarzt) und Britta Feiler (Beirat).

Regelmäßige Kontrollgänge erforderlich

Was ist aus Sicht des Geschäftsführers heute anders als 2004 in Haspe?
Karl Ehrmann: „Das Gesundheitswesen hat sich genauso wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterentwickelt. Der steigende Kostendruck im Sozialsystem allerdings auch. Dabei sind die Menschen für ein funktionierendes Gesundheitssystem mindestens genauso wichtig, wie infrastrukturelle Veränderungen wie neue Räume, Geräte oder Therapieformen. Auch die insgesamt steigenden Temperaturen und den damit verbundenen Anforderungen muss man, müssen Bund, Länder und Kommunen gerecht werden.“

Was macht denn die Mitarbeitenden an der KMT in Hamm aus?
Karl Ehrmann: „Die KMT ist trotz aller Veränderungen immer noch ein sehr familiäres Haus. Das ist gut so und auch wichtig für alle – Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen. Das ist übrigens auch an mir nicht spurlos vorüber gegangen. Sicherlich war ich dort zu Beginn meiner Tätigkeit noch distanzierter, weil ich das aus meinen bisherigen Krankenhauserfahrungen so kannte. Das hat sich im Laufe der Jahre verändert, da ist etwas gewachsen und hat auch mich in der Krankenhausführung verändert.“

Wenn wir über die zurückliegenden sieben Jahre sprechen, kommen wir am Thema „Corona“ natürlich nicht vorbei. War das die größte Herausforderung in dieser Zeit für den Geschäftsführer?
Karl Ehrmann: „Wegen der vielen Unwägbarkeiten war sie es bestimmt. Allerdings war das Neubauprojekt in Hamm und die Verantwortung über eine so hohe Investitionssumme sicherlich keine kleinere Herausforderung – nur eben anders. Während Corona gab es im Grunde täglich neue Situationen, etwa Vorgaben des Bundes, die die Geschäftsführer aller Kliniken in der Belegschaft durchsetzen oder gegenüber den Patienten organisieren mussten. Aber der Zusammenhalt, den wir alle in dieser Zeit gelebt haben, hat es etwas leichter gemacht. Man könnten sagen, dass wir uns trotz der Abstandsregeln nähergekommen sind. Und es darf uns unterm Strich alle etwas stolz machen, die damalige Situation in den Kliniken gemeistert zu haben.“

Nicht nur die KMT hat sich verändert, auch das gesamte Krankenhauswesen. Ist es 2026 schwieriger als früher, ein Krankenhaus zu führen?
Karl Ehrmann: „Auf jeden Fall. Krankenhäuser stehen insgesamt unter einem ganz anderen wirtschaftlichen Druck als noch vor zwei oder drei Jahrzehnten. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, die Digitalisierung mit all ihren Vor- und Nachteilen, eine immer mehr geforderte und erforderliche Spezialisierung und letztlich ganz konkret auch ein anderes Bewusstsein für Zeit bei den Mitarbeitenden. Denn das Thema Work-Life-Balance hat große Auswirkungen auf eine sinnvolle Planung der Arbeitskräfte.“

Gibt es denn eine Entwicklung, die Sorge bereitet?
Karl Ehrmann: „Tatsächlich mache ich mir da im Bereich der Kostenexplosionen Sorgen. Allerdings stimmen mich die Möglichkeiten der KI und Vorteile der Digitalisierung sogar etwas optimistisch. Wichtig ist, dass man offen für die Chancen ist.“

Wenn man so viele Jahre Verantwortung trägt, trifft man unzählige Entscheidungen. Gibt es welche, die heute anders ausfallen würden?
Karl Ehrmann: „Bestimmt im beruflichen Umfeld. Für mich persönlich habe ich eigentlich alles richtig gemacht. Ohnehin bringt es nichts, eine Situation nach zehn Jahren oder mehr mit einem anderen Wissen anders zu beurteilen. Die Frage ist ja, ob man in der Situation anders entschieden hätte. Und das hätte ich in wohl eher nicht.“

Was macht Karl Ehrmann denn ab Herbst, wenn morgens kein Diensthandy mehr klingelt?
Karl Ehrmann (lacht): „Ich habe ja während meines Berufslebens immer ein dienstliches Handy gehabt. Das fällt dann einfach demnächst weg. Gemeinsam mit meiner Frau werde ich dann ab September mehr reisen – das haben wir ja schon für dieses und nächstes Jahr durchgeplant. Und wie viele über mich wissen, sind insbesondere alte Autos oder Mopeds mein Hobby, für das dann demnächst mehr Zeit ist.“

Gibt es denn Reisen, die bisher warten mussten?
Karl Ehrmann: „Wir werden weiterhin gerne nach Texel reisen. Aber eine Sache gibt es da schon: Ich bin früher sehr gerne mit dem Motorrad unterwegs gewesen. Ich möchte da gerne noch einmal eine Motorradtour durch die Alpen unternehmen.“

Wird Sie das Thema Krankenhaus und insbesondere KMT komplett loslassen?
Karl Ehrmann: „Nein, ganz bestimmt nicht. Aber erstmal werde ich ganz bewusst einen Strich ziehen. Später vielleicht ist das denkbar, ich könnte ja doch einige Jahrzehnte an Krankenhauserfahrung beisteuern.“

Foto Unkraut auf dem Dach.
Dr. Gerd Pickl-Gilberg (links) und Dr. Jens Adermann (rechts) würdigten bei der offiziellen Verabschiedung die Arbeit von Karl Ehrmann (Mitte), der sich bei vielen Weggefährten aus vier Jahrzehnten in verschiedenen Krankenhäusern ebenso wie bei seiner Familie bedankte.