Bildgebende Diagnostik

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Eine funktionelle Behandlung des Bewegungssystems, wie in der Manuellen Medizin, erfordert genaue Kenntnisse der Struktur und Funktion des Systems. Um sogenannte Gelenkblockaden, d.h. vorübergehende biomechanische Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule oder der peripheren Gelenke, manualtherapeutisch lösen zu können, sind anatomische Kenntnisse der behandelten Gelenkverbindungen erforderlich.

Individuelle Formabweichungen von Gelenken, Gelenkentzündungen rheumatischen oder infektiösen Ursprungs sowie Tumore oder andere Veränderungen müssen als Hindernisse oder Kontraindikationen einer Manualtherapie rechtzeitig erkannt werden. Die konventionelle Röntgendiagnostik stellt daher in der Klinik für Manuelle Therapie ein wesentliches diagnostisches Element dar.

Daneben spielt als Besonderheit der Klinik die funktionsanalytische Betrachtung der Wirbelsäulen-Röntgenanatomie eine zentrale Rolle. Sie geht der Frage nach, welche Auswirkungen Form und Struktur der knöchernen Bewegungssegmente und ihre ggf. krankhaften Normabweichungen auf die Funktion des Achsenskeletts haben. Diese Funktion besteht aus mehreren Anteilen: einer statischen Funktion im Schwerefeld der Erde mit Gewährleistung einer aufrechten Haltung, einer Bewegungsfunktion und einer Schutzfunktion für die in der  Wirbelsäule verlaufenden verletzungsgefährdeten Nerven- und Gefäßbahnen.

Durch spezielle im Stehen durchgeführte Aufnahmen der Lenden-Becken-Hüftregion und der Halswirbelsäule kann z.B. untersucht werden, ob anatomische Schiefstände durch Beinverkürzungen oder Wirbeldeformitäten von der übrigen Wirbelsäule angemessen ausgeglichen werden können. Auch kann festgestellt werden, ob Funktionsstörungen dies bei gleichzeitiger Störung der aufrechten Haltung und Beweglichkeit verhindern. Signale, die auf das Vorliegen einer Funktionsstörung hinweisen, sind z.B. Kippungen, Verschiebungen und Stufenbildungen von einzelnen Wirbeln.

Radiologische Funktionsdiagnostik

Mit Hilfe von Bewegungsaufnahmen lassen sich Wirbelsegmente mit krankhaft verminderter oder vermehrter Beweglichkeit identifizieren, wie sie einerseits z.B. bei Blockwirbeln oder andererseits bei Gleitwirbeln auftritt.

Schnittbildverfahren

Besteht der Verdacht auf eine gestörte Schutzfunktion der Wirbelsäule, etwa durch eine knöcherne, tumoröse oder bandscheibenbedingte Bedrängung von Nervenbahnen oder einen sonstigen zerstörerischen Prozess des Bewegungssystems, werden Schnittbilduntersuchungen, wie die Kernspintomografie oder das Computertomogramm, in Nachbarinstituten veranlasst.

Diagnostischer Ultraschall

In der Manuellen Medizin und Osteopathie werden Knochengerüst, Bänder, Gelenke, Muskeln, Nerven und Innere Organe als Funktionseinheit betrachtet. Dieser ganzheitliche Ansatz bewährt sich insbesondere dann, wenn Schmerzen durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Organsysteme verursacht werden. Gallenblasenentzündungen können z.B. rechtsseitige Schulterschmerzen auslösen. Der Patient spürt den Schmerz in diesen Fällen nicht dort, wo er entstanden ist. Um nicht auf eine falsche Fährte geleitet zu werden, ist interdisziplinäres Denken notwendig.

Eine tiefe „manualdiagnostische“ Tastuntersuchung der Oberbauchorgane kann in diesem Fall zur richtigen Diagnose beitragen. Durch den Einsatz von Ultraschall wird die Treffsicherheit eines manuell erhobenen Befundes deutlich verbessert. Der Spürsinn der tastenden Hand wird hierbei durch ein Verfahren ergänzt, das den Patienten nicht belastet. Krankhafte Form- und Strukturabweichungen von inneren Organen, Gefäßen und Gelenken können so häufig ohne Einsatz von aufwendigen Röntgenuntersuchungen  oder Kernspintomografien erkannt werden.

In Anbetracht einer zunehmenden Zahl von älteren sowie an mehreren Organsystemen erkrankten Patienten stärkt der Ultraschall außerdem den Sicherheitshintergrund für das rechtzeitige Erkennen potentiell bedrohlicher Komplikationen innerer Organe. Auch Durchblutungsstörungen, wie z.B. tiefe Venenthrombosen, lassen sich ereignisnah feststellen und rechtzeitig behandeln. Entzündungen von Gelenken treten im Ultraschall meist früher zu Tage als im Röntgenbild. Insgesamt ist der diagnostische Ultraschall auch in einer manualtherapeutisch ausgerichteten Schmerzklinik ein wichtiges Hilfsmittel.

Funktionsultraschall

Zusammenhalt und Stabilität der Wirbelsäule werden im wesentlichen durch ein Verbundsystem von Bändern, Muskeln und inneren Druckkräften des Körpers gewährleistet. Letztere sind ein Zusammenspiel von Atmung und der Gegenhaltekraft von Beckenboden und Bauchmuskulatur, die den Inhalt der Bauchhöhle umhüllt und diese zu einer Art hydropneumatischen Stütze für die Wirbelsäule werden lässt (Tiefenstabilisation). Hintere tiefe Stabilisatoren sind die kleinen von Wirbel zu Wirbel ziehenden Muskeln. Ohne sie würde es in der Gliederkette der Wirbelsäule zu Gefügestörungen mit Verschiebungen einzelner oder mehrerer Wirbel kommen.

Die oberflächlichen, bei Athleten besonders hervortretenden Muskeln dienen mehr der Fortbewegung und der Gleichgewichtsregulation bei Verlagerung des Körperschwerpunktes. Eine ungenügende Funktion der oben genannten Tiefenstabilisation ist eine der Hauptursachen chronischer Rückenschmerzen. Ihre Förderung und Schulung sind daher wesentliche Elemente einer dauerhaft wirksamen Schmerztherapie. Eine Schwierigkeit hierbei ist, dass der Patient die zu schulenden Muskeln – anders als beispielsweise bei Bauchmuskeln oder einem Bizeps - nicht sieht und nicht direkt erkennt, wie diese richtig funktionieren sollten.

Außerdem ist für das bewusste Training eine entspannte Zwerchfellatmung erforderlich. Für ein optimales Training müssen daher insbesondere die Tiefensensibilität und Eigenwahrnehmung geschult werden, was Geduld und Zeit erfordert. Hilfreich ist zudem die gleichzeitige Nutzung von Ultraschall, weil sich das Training dieser Muskelbereiche unmittelbar im Ultraschallbild widerspiegelt.